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Samstag, 17. Dezember 2016

bei mir darbten die hungrigen...


bei mir darbten die hungrigen - wenn es sie denn gäbe. doch ich gebe zu, dass ich jenes durchaus als selbstanklage verstehe, auch wenn sie sich im mantel der hypothese versteckt und verschanzt. schreiben, mit details oder ohne, ist sicherlich ein akt des heraustretens und somit auch ein angebot an andere in zeiten der unsicherheit - ganz egal, ob jemand hungert oder liest, oder die worte wie schritte auf dem gerichtshausflur verhallen. die server-farmen dieser welt registrieren sie ganz bestimmt...

"In writing with detail, you are turning to face the world. It is a deeply political act, because you are not just staying in the heat of your own emotions. You are offering up some good solid bread for the hungry."

(Natalie Goldberg, Writing Down the Bones



Sonntag, 5. Januar 2014

übers steinerollen oder: onkel ernest legt den finger auf die wunde...


"How can anyone think that you can neglect and despise, or have contempt for craftmanship, however feigned the contempt may be, and then expect it to be at the service of your hands when you must have it. There is no substitute for it, Thomas Hudson thought. There is no substitute for talent either and you don't have to keep them in a chalice. The one is inside you. It is in your heart and in your head and in every part of you. So is the other, he thought. It is not just a set of tools that you have learned to work with."

(ernest hemingway, islands in the stream)

wohl dem, der noch ein 'handwerk' betreibt. oder hat jedes streben sein 'handwerk', seine erlernbare und trainierbare basis? wann darf man aufhören täglich an sich zu pfeilen und trotzdem noch erwarten, seinen ansprüchen gewachsen zu sein, zu produzieren, etwas gelingen zu lassen?
ich habe mich immer gefragt, wie wohl das verhältnis von talent und fleiß beim erreichen eines anspruchsvollen zieles sei. ohne talent geht gar nichts, oder wenig, soviel schien mir klar, doch ab wann ermöglicht der fleiß, die stetige arbeit, das ewige rollen des steines wirklich den eintritt in das nächste level, den höheren grad der perfektion? wann, auf der anderen seite, verhindert zu viel rollen, zu viel wägen das entstehen des werkes oder der handlung und ist damit kontraproduktiv? wo die rechte ballance??
ich suche weiter nach der handwerklichen basis meines tuns und meines lebens, um daran zu pfeilen, und bis ich die genauer definiert und gefunden habe, verweise ich auf eine andere art des steinerollens, nämlich die "jubilee street" hinauf:





Dienstag, 5. März 2013

"that's what hell will be like..."


"that's what hell will be like, small chat to the babbling of Lethe about the good old days when we wished we were dead." 
(samuel beckett, embers)

it's been a long time since i read literature. and for good reason. i lost faith in it. 
i remember starting off with the belief i would learn more and more eventually. every poem, every book a puzzle piece, another step on the road to becoming a better, more knowledgeable person, someday hopefully a wise man.
this hope has vanished. i shall find some more beautiful pages and stories and lines, some constellations and characters that speak to me, but they won't add up and create anything new. they will not change the man i have become or shatter the angles from which i perceive the world. they don't contain the answers.
maybe it is time to leave these ruins behind. indulge in reality, getting my hands dirty and my mind busy and distracted. 
i have lost faith and as every infidel i feel the emptiness creeping at me and the judgement awaiting...





Samstag, 5. November 2011

feelin' robbed...


ein wolkiger, kühler himmel hängt über stanford. hier ist man dergleichen nicht gewohnt. die stimmung rauscht bei gefühlter kälte und sonnenschein-entzug nahezu instantly gewaltig in die tiefe und der blues stellt sich ein. ich verkrieche mich geistig in einer provisorischen wellblechhütte und blicke auf schaukelnde blätter und äste vor der tür. 

der ausspruch eines bekannten klappert mir dabei durchs gehirn. in offener und ungespielter empörung sagte er damals: 'everytime it rains in california i feel robbed'. und recht hat er, beraubt fühl ich mich, denn es gehört sich nicht, dass es hier kalt ist. abgeschafft werden sollten dergleichen tage oder aber ins alte europa verschickt... ;-)

was bleibt mir da für den rest des tages als zu sinieren oder aber mit herrn cave selbstvergessen eine tasse tee zu schlürfen:





Samstag, 8. Oktober 2011

hey, brother, take another sip...


to "booze my heart quiet" as beckett put it
another american beer with its fruity, so disturbing taste
won't do the work
lost in a wasteland
what does matter?
IPA india pale ale ist was ich in mich hineinschütte
und ich bin wahrlich nicht stolz darauf

vielleicht ist stolz etwas, das man sich erst ab einem bestimmten
verkommenheits- oder verkrustungsgrad leisten kann
jeden tag, jedoch, verzehre ich mich danach und kippe nach...
möge die welt ein ort der eintracht und des friedens werden
der menschlichen verständigungs, des glaubens an das gute und gerechte
oder mögen die jungs hier einfach besseren alk machen...


Dienstag, 27. September 2011

Die Postmoderne ist tot ...


habe ich gelesen auf dem Flug. Ihr Untergang das Aufkommen des Internets. Dieses habe nämlich, so hieß es, die in der Kunst und in der Theorie abstrakt dargestellte / vorgestellte Situation materialisiert. Die eklektizistische Verfügbarkeit der verschiedensten Inhalte nun Realität, das Zusammenmixen dessen was, oder was nicht zusammen gehört allgegenwärtige Praxis und das Verschwinden jeden Glaubens an eine Substanz hinter den Bildern unser aller (täglich) Brot. Das Netz habe diese Kunst, diesen Ansatz, diesen Stoß obsolet gemacht, indem sie ihn verwirklichte. Die Postmoderne ist tot, denn wir leben sie alle – es lebe die Postmoderne!

Freitag, 25. Februar 2011

nachtstück


heut nacht begegnete mir ein anderer geselle
grau-schwarz und geringelten schwanzes
kiebitzt er um die ecke als ich 
gedankenverloren und zigarillo-rauch umschwaded
gegen das gestänge lehne.

sein gesichtsausdruck zeugt von fehlender leidenschaft und interesse
aber wem wollte man das schon übelnehmen?
ich bin froh - wenn auch auf den boden der tatsachen zurückgestoßen
als er sich nach zehntelsekunden lustlosen inspizierens
wieder in die büsche schlägt.

mir bleibt der weg 'up'
zwei treppen ins himmelreich
'the only way is up, baby, for you and me-e-e now
the only way is up..'
in die leere meines konservendosen-studios
einem aschgrauen morgen harrend


Samstag, 5. Februar 2011

my snug little world


wiped out by a single blow
all the ridiculous attempts of organizing your life,
of setting up a structure that is supposed to last,
a future that can be kept in a cardboard-box.
looking back, it seems so absurd, all those efforts and
the tiny moments of philistine joy – actually, what a shame!

now once more tabula rasa, everything to be invented anew
all questions, and especially those that torture your mind the most,
to be raised again and again.
i am tired, so sick of all this.

a sunny new morning brings no relief, nor the cardinal’s tweet or
the astonishing play of shadows on the wall.
the ocean is not only far, but meaningless
all motion vanity.

it would be time to read seneca again or this ominous
persian wise man, Omar Khayyam, that Pessoa is talkin about
but I have no time and even reading does not make any sense.
instead these turning turbulences of violent emptiness in my head, pressing against the inside of my skull, trembling to burst out
into the outside world and to dash everything on it’s way.

it gets better at night
when the light is gone and darkness lays itself upon the world
like cold poultice on the eyes of a feverish man.
six more hours, seven more hours till the sun sets…


Freitag, 1. Oktober 2010

"man kann nicht immer traurig sein, dafür ist die welt zu schön..."


diesen satz sagte mir meine mutter heute durchs telefon. sie sah dabei aus dem fenster ihrer wohnung, aus meinem alten zimmer hinaus, daheim. ich habe den ausblick vor augen, den sie vor sich hatte. ein weiter himmel aus dem 9. stock, ein beträchtlicher ausschnitt des unergründlichen blau und erst darunter, fast nebensächlich ein dunkles, ausladendes dreieck aus mietswohnungen. oft habe ich, wie sie, von dort aus gen norden geschaut, leichte weiße schleier am horizont, und in der mitte des dreiecks das tiefe dunkel eines hofes, der durch einige hohe, alte bäume eine vitale und zugleich unheimliche dimension bekam. hier sammeln sich jedes jahr im herbst die stare in großen schwärmen, bevor der zug nach süden beginnt und die bewegung dieser hundertköpfigen, ballförmigen geschwader nach rechts, links, um ausrichtung bemüht im chaos, evoziert in mir noch jetzt das schwingen einer gigantischen fahne, die das symbol des aufbruchs und verlassens durch den himmel zieht.

"man kann nicht immer traurig sein, dafür ist die welt zu schön", sagt sie und mein wissen darum, dass sie recht hat, vermischt sich unweigerlich mit der schwarzen galle meines gewissens, da ich nicht anders kann, als das plebeische dieser aussage festzustellen. es ist der immerwährende versuch des armen und gebeutelten, sein leben schön zu finden, trotz aller wiedrigkeiten und aller last. trotz aller armseligkeit, trotz aller ungerechtigkeit, trotz all des hasses und der nutzlosigkeit und: trotz der endlichkeit des schönen.
schopenhauer würde wohl vom 'willen' reden, ich gehe mit nietzsche und spreche von der 'natur', die hier ihre so oft unbemerkte, doch unerbittliche knechthaft ausübt. in ihrem sinne, dem sinne des weitermachens, weiterlebens, fortpflanzens und gutheißens wird der moment auserkoren und emporgehoben zu einem loblied auf die schönheit dieses zarten augenblicks, allem aber zum trotz.

so schaue ich also mit ihr in das blau, das nun schon elemente von gelb und weiss enthält und bald schon dunkler, tiefer werden wird, wenn die sonne über berlin verschwindet. sie sagt, "eigentlich möchte ich noch gar nicht 67 sein" und diese mischung aus erschlagender wahrheit und naivität ist entwaffnend und wahrscheinlich auch so gedacht.
die plattenbaumauern unserer welt schränken weder herz noch fantasie dermaßen ein, dass nicht ab und an ein ausblick bliebe, zumindest ein vermeintlicher und kurzer.

we can build our dungeons in the air and sit and cry the blues,
we can stumble across this world with nails hammered through our shoes
we can join that troubled chorus and critizise and accuse
it don't matter much, no
cause we've got nothing much to lose,
but this wonderful world...

and if you find it
it's a wonderful world

ich habe aus meinem herzen eine mördergrube gemacht, wohl war, und ein bad aus kaltem stahl. an ein kleines abkühlbecken in einer ranzigen saunaanlage muss ich dabei denken, auch jetzt, wo ich in gesetztem ton meiner mutter gut zurede, alles im griff zu haben vorgebe - zumindest soweit es geht - und nicht (mehr) klage, worüber auch immer. was nützt es auch alles? der morgige tag wird sonnenschein bringen und palmengrün auf terracottafarbenem sand. die kommenden schläge des lebens liegen wahrscheinlich schon abgezählt bereit und es ist nur die frage, wann sie einsetzen und nicht ob. und ob ich ihnen mit senecas gesetztem spaziergang am strand seines exiles oder mit der verzerrten fratze eines dionysischen leidens zu begegnen versuche, bleibt letztlich einerlei.
einzig vergessen scheint mir eine lösung zu sein und die lotusphagen, von denen benn berichtet, die von der besagten pflanze essen und im vergessen leben, müssen wohl die glücklichsten menschen gewesen sein?


Sonntag, 12. September 2010

westwärts 2


wieder
weiter westwärts...

über wasser, land, geplatzte gasleitungen
und umringt von britischen boulevardzeilen
die den sittenverfall an der escort-affäre "rooney" festmachen:
junge mittelklasse-mädels geben sich für geld und aufmerksamkeit
der fussballelite und ihrem schweinsgesichtigen mittelstürmer hin.
interviews und abbite der eltern, freunde und politiker empört
angeblich beschämt fragt sich das schwarze weiss der öffentlichen meinung
ob so die verehrte nation noch bestehen kann.

zwischen den endlosen stunden verschieben die zeitzonen und die welten
etwas legt sich ab, was doch nie hinter sich zu lassen ist und
eine neue brille steht mir gut.
weder zeit für lamentieren noch für euphorie
weiterstolpern
später interpretiert man vielleicht es könnte ein weg gewesen sein...





Dienstag, 20. Oktober 2009

wiedermal astern ...


wiedermal astern ...

verdammt ich werde sie nicht los. wie tief sie sich schon in mein unterbewußtsein hineingedrängt haben - bemerkenswert! gestern laufe ich am eingang eines supermarktes vorbei und zucke schreckartig zusammen, als sich vor mir ein stapel dieser pflanzen im sparsonderangebot auftürmt. sofort die unumstößliche gewißheit: astern! es ist soweit, astern...

normaler weise begegnen einem pflanzen und blumen
hier ja nicht so besonders oft und wenn man sie sieht, haben sie meist etwas künstliches, sehr käufliches, doch wahrscheinlich war ich gerade deshalb so verängstigt, weil ich feststellen musste, dass es sie auch hier gibt und sie mich so schamlos auf offener straße anstarren. astern.

es waren auch wieder die dunkelhelllilanen des dr benn dabei; an sie muss ich denken und an die ersoffene brust des bierfahrers, aber vielleicht noch mehr an die kühllbaue einsamkeit, die sich einstellt, wenn die astern blühen und im stadtbild zu sehen sind. die luft schneidet ob der grade, die ihr zu fehlen beginnen und man weiss, dass für einen weiteren winter niemand wartet - und keiner von uns glaubt mehr an langes briefeschreiben wie einst rainer maria. also auch hier in der neuen welt: astern.

"willkommen in der blumensprache" - einer von brinkmanns schlägen ins gesicht dieser häßlichen gegenwart, die immer noch die gleiche ist, diesesmal aber nicht sarkastisch gemeint. per zufall nämlich nahm ich zur kenntnis, dass die aster in diesem zusammenhang eine bedeutung trägt, die mir noch nicht bewusst war:
astern = du bist mir nicht treu.

so genau wollte man es vielleicht gar nicht wissen oder ausdrücken, in jedem fall sollte man sich aber genauer überlegen, wem man diese blume schenkt und ob man sie sich ans revers heftet. es kommt mir jedenfalls vor, als ob ich sie schon immer mit mir herum trage und ich frage mich, ob ich damit wohl mehr sagen wollte?
und der dr benn??





Sonntag, 18. Oktober 2009

mir ist mal wieder klar geworden ...


mir ist mal wieder klar geworden, dass ich adorno nicht mag. ich lasse diese urteil durchaus in seiner einfältigkeit, allgemeinheit und ungerechtigkeit hier stehen, denn es handelt sich weniger um ein missfallen an seiner theorie als um einen aufruhr gegen seinen gestus, vielleicht seine persönlichkeit.
zu verschiedenen zeiten habe ich verschiedene texte von im angefangen zu lesen und immer wieder festgestellt, dass sie mich in ihrem kern unsäglich langweilen, wenn nicht sogar abstoßen. sowas von einem eindeutig als 'großem' philosophen anerkannten zu sagen, ist natürlich gewagt, bis halsbrecherisch, aber was soll ich machen? soll ich lügen?? oder die passage auslassen???
zu meiner entschuldigung mag ich auf mein unwissen hinweisen und anführen, dass ich die 'dialektik' noch nicht gelesen habe - sicherlich ein großartiges werk - ich bezweifle aber auch, dass ich es jemals tun werde. es ist, wie gesagt, schon der gestus der mich abstößt und der mich unweigerlich an den deutschen kleinbürger erinnert. verstoßener kleinbürgergeist, der sich furchtsam hinter marxistisch-dialektischem vokabular verbarrikadiert, allerweilen 'die gesellschaft' und das 'allgemeine' als mir vollkommen unklare meta-instanzen heranzieht und durchgehend lamentiert. zu recht das schreckbild des zaudernden und niemals zu potte kommenden intellektuellen. alles defensiv, alles rückzugsgefechte und ein vorwurfsvoller grundtenor gegenüber allen und allem.

na ja, soweit so schlecht.. eine sache wollte ich jedoch trotzdem zitieren, obwohl mir auch hier ein stachel stecken bleibt und das zitat nicht wirklich gut ist, sondern nur etwas anreißt, was man besser, impulsiver, expressiver, pointierter hätte schreiben können, wenn man die fähigkeit oder den mut dazu gehabt hätte. but still:

"Darin aber kommt des Verhältnis zu Menschen dem ästhetischen gleich. Der Vorwurf, daß einer nichts gebe, ist jämmerlich. Ward die Beziehung steril, soll man sie lösen. Dem aber, der daran festhält und doch klagt, geht allemal das Organ des Empfangens ab: Phantasie. Beide müssen etwas geben, Glück als das gerade nicht Tauschbare, nicht Klagbare, aber solches Geben ist untrennbar von dem Nehmen. Es ist aus, wenn den anderen nicht mehr erreicht, was man für ihn findet. Keine Liebe, die nicht Echo wäre."

(th. w. adorno, minima moralia, unbestellbar)

zwei bemerkungen dazu:

1.) meine unzufriedenheit mit diesem zitat kommt vielleicht daher, dass adorno die elemente, die man meines erachtes künstlerisch-gedanklich ausgestalten könnte und sollte, vollkommen emotionslos und uninspiriert übergeht. sicher 'soll' man eine beziehung lösen, wenn sie "steril" geworden ist, aber genau hierdrin liegt doch die crux. darin, dass genau jenes ein menschliches problem ist oder werden kann, das bis in die tiefsten emotionen, auswüchse und internen oder externen gewaltakte hineinführen kann. genau hier finden sich die (sinnlosen?) widersprüche, die es näher zu beschreiben gälte und die das leben in die hölle oder ad absurdum führen ("hell is the others" - satre). also, wiedermal an der wunde vorbeigeschrieben...

2.) die phantasie als das "organ des empfangens"? was ist denn das für ein blödsinn?? und dazu in der von ihm beschriebenen situation: demjenigen, der zu wenig liebe empfängt, geht die phantasie ab?? soll er sich die zuneigung einfach vorstellen und dann läuft it?!? mal im ernst, ich nehme ganz stark an, dass ich hier falsch gelesen haben muss, aber sonst ist es definitiv quatsch!

ich frage mich, ob meine beziehung zu t.w.a. noch irgendwann mal besser werden könnte. die zeichen stehen schlecht...



Dienstag, 13. Oktober 2009

traum


"india song" uebertoent meine gedanken
samtweiche anschlaege auf dem piano der madame stretter
auswege gibt es keine und das exil kann kalkutta
oder genauso little compton sein
es bleibt die uebelkeit der akteure
drappiert unter feinstem zwirn oder intellektueller pose
wie ein schwerer sommerregen
laesst sich die frage "wozu"
auf jede regung nieder und
erwartet keine antwort

draussen streunern bettler und neger schlagen sich die koepfe ein
es hiess, er habe sie niedergeschossen wie die tiere
aus dem obergeschoss seines hauses
doch der zug seiner mundwinkel verraet einen abgrund des leides
hilft jemand diesem mann?

ich gehe in den traum und erwarte mein schauspiel
wer glaubt an katharsis auf dieser welt??
all the sinners saints and the guy next door a man of wealth and taste
keine antworten, keine fragen
die produktion von worten eine sinnlose ausrede
fuer den leerlauf dieser eingesperrten muskelzuckungen
unter meiner haut


(india song by raoul verez, mp3 download)



Sonntag, 4. Oktober 2009

ich traf ...


ich traf ein stinktier gestern nacht auf meinem weg heim. suchend und schnüffelnd huschte es an mir vorbei, getrieben von der trüffelschwein-suche nach den brocken dieser welt. ich fand mich gut getroffen im antlitz meines tierischen gesellen und zog beschwingt davon in die dunkelheit. bekanntlich bringt erst der nächste morgen das unbehagen und die schwere dieser lächerlichen welt.



Sonntag, 6. September 2009

die ersten eindrücke aus der neuen welt ...


die ersten eindrücke aus der neuen welt:


ich fliege - westwärts - und die zeitungen berichten mir von einem neuen land. ich erinnere einen cartoon, den ich gerne ausgeschnitten und eingescant hätte, leider habe ich ihn vergessen. heften blieb eine klatsch-crime- und society-story aus us today. irgend ein sternchen wurde brutal umgebracht. der big-brother-halbstern, der für 2 monaten ihr ehemann war, befand sich seit dem auf der flucht und wurde just einen tag vor meiner reise tot in seinem hotelzimmer aufgefunden. erhangen, selbstmord; so jedenfalls der artikel.
besonders unerwartet, neu und bezeichnend war an der ganzen geschichte nicht, dass sich dahinter höchstwahrscheinlich ein mord aus monetären, möglicher weise emotionalen gründen verbergen möge, sondern ein relativ beiläufiges detail: dem opfer wurden nach der vollbrachten tat vom täter die finger und zehen entfernt, wahrscheinlich um eine identifikation zu verhindern, und jenes impliziert wiederum, dass sich der mörder mit dem kopf der frau wohl auch etwas hat einfallen lassen (ich frage mich die ganze zeit, was er wohl mit den zähnen und dem gebiß angestellt haben mag, die ja gewöhnlich in dergleichen fällen ganz besonders aussagekräftig sind...). identifiziert wurde die tote aber letztlich doch und das über die registrationsnummern ihrer brustimplantate - welcome to america!


Sonntag, 16. August 2009

when it all turns wrong ... (nachtrag)


when it all turns wrong ...

ein bemerkenswerter moment - when it all turns wrong. der umschlagspunkt von gut zu böse oder schlecht, die scheidegrenze zwischen wunderschön oder zumindest 'erträglich' zu nervig und nicht mehr auszuhalten, der tropfen, den die kohäsionskraft nicht mehr halten kann. was vorher interessant war oder angenehm, sehnsucht oder 'liebe', wird zur last, alles wird umdefiniert, neu ausgerichtet, anders gedeutet. ich glaube, es gibt ihn, diesen punkt - when it all turns wrong. es mögen vielleicht auch mehrer punkte sein und etwas über die zeit verteilt, aber grundsätzlich ist er da, ist vielleicht sogar festzumachen, liegt da wie ein schwarzes loch in unserem leben und unserem gedächtnis. wann war dieser moment? wann hast du, wann habe ich umdefiniert, mir eine neue schablone zurecht gelegt?? danach betrachtet man die alte schablone mit kopfschütteln, ist erstaunt, wie man sich selbst derart entwerfen und aushalten konnte, was für situationen man zurecht gerückt hat, damit 'es' passt. immer wieder aufs neue und beim nächsten mal wird es nicht anders sein: wieder akzeptieren - sich und andere - wieder bestätigen, informationen in rastern verorten und sie den 'eigenen' vorstellungen so anpassen, dass ein rundes, ein ertragbares bild daraus wird.

when it all turns wrong - ein grausamer moment, ein absterben, eigentlich eher ein mutwilliges abtöten (es hat etwas aktives, man tötet entweder einen teil von sich, oder einen teil des anderen in sich); es hat etwas sehr gewaltsames. lächerlich an diesem leben ist, dass man nie davonkommt. die geister rufen einem nach, verfolgen dich und immer wieder treten die gleichen und alten fragen auf. ein wunderbares beispiel, nahezu ein 'beweis' für meinen zweifel an der willensfreiheit sind diese momente. als ob ich entscheiden und bestimmen könnte, wann mich meine geister heimsuchen, wann ich wieder und wieder anfange die situationen und argumentationen in meinem kopf durchzugehen, die doch alle vergebens sind, nie wieder ausgesprochen werden und in keinstem falle etwas ändern könnten. es ist ein leerlaufen von lebensenergie, dass immer wieder in die verlorenen episoden, die verlassenen menschen hineinsteigt und den dialog mit den 'toten' aufnimmt. lächerlich ist man, weil der kampf mit den eigenen toten nie zu gewinnen ist, man ihn jedoch immer wieder aufnimmt, ihn aufnehmen muss.
es wird eine schöne, es wird eine utopische zeit sein, wenn sie eines tages wirklich nicht mehr auftreten, die schlechten, selbstgemachten schauspieler und ausgedachten dialoge, die mein gehirn zermartern. ich weiss nicht, ob sie mit dem altern kommen wird, dem abschwächen der sexuellen antriebe, dem verkalken meiner aterien, oder ob sie erst aufscheint, wenn dieser gesamte organismus seine biologische tätigkeit beendet, doch ich weiss, dass ich mich sehr darauf freue. es wird eine befreiende leere sein und ich werde hinaustreten als ob ich auf schwarzen sternbahnen laufen könnte, ohne schwere, nur sein.
bis dahin werde ich noch etwas blödsinn auf meinen blog schreiben und heute mit ickarus' enthusiasmus zu bett gehen.

ps: schön übrigens auch der hinweis auf diese kurzlebigen, in sich selbst ersterbenden momente, in denen man vermeint zu glauben, dass diese welt kein ende habe:
all this world aint got no end - und wir alle wissen es besser...


Sonntag, 26. Juli 2009

der sommer hängt in der luft wie ein totes blatt ...


der sommer hängt in der luft wie ein totes blatt.

es überrascht mich jedes jahr wieder, dass er so zörgerlich und tröpfelnd herankommt – oft verbunden mit herrlichen vorausdeutungen seiner im ‚eigentlichen’ frühling – dann kurz aufblitzt, um noch bevor man wirklich beginnt, sich auf ihn zu freuen, wieder schon in niedergang und auflösung befangen zu sein.


ich werde nun nicht die gleichen herbst- und endsommer-gedichte benns präsentieren, die ich letztes jahr auflegte, aber die stimmung ist durchaus gleich, phantastisch in ihnen eingefangen und ein blick zurück kann sich jederzeit nur lohnen.


sie sind zu kurz! diese sommer voller jugendträume eines dreißigjährigen - oder die träume zu lang... aufbruch, ausbruch, hoffnung schon wieder begraben für ein weiteres halbes jahr und das wissen, dass auch der nächste und der nächste und der übernächste sommer zu kurz sein wird, bis eines tages das ganze jahr über herbst ist und man unmerklich damit anfängt, sich auschließlich auf die erhaltung der eigenen geistigen wie körperlichen ruine zu konzentrieren. der herbst als (aussichtsloser) graben- und stabilisierungskampf gegen die zeit (und sich selbst) hat schon begonnen und rinnt durch alle gedanken, hier sichtbar, dort mit schnörkeln und gerede verziert und verdeckt.


es locken die fernen gestade als fluchtpunkte eines heillosen und rücksichtslosen eskapismus, doch auch hier ist die ernüchterung vorprogrammiert, der selbstbetrug offensichtlich. ‚Wer das verlor, was du verlorst, kehrt niemals heim’ – oder ähnliches habe ich ein mal gelesen und als gegenmittel zu den trügerischen davonkommensantizipationen zum abschluss doch noch mal der ‚große’ benn, der schwerfällige buddha des deutschen nirwana aus der bozener str, berlin schöneberg:



Reisen


Meinen Sie Zürich zum Beispiel

sei eine tiefere Stadt,

wo man Wunder und Weihen

immer als Inhalt hat?


Meinen Sie, aus Habana,

weiß und hibiskusrot,

bräche ein ewiges Manna

für ihre Wüstennot?


Bahnhofstraßen und Rueen,

Boulevards, Lidos, Laan –

selbst auf den Fith Avenueen

fällt Sie die Leere an –


ach, vergeblich das Fahren!

Spät erst erfahren Sie sich:

bleiben und stille bewahren

das sich umgrenzende Ich.


(Gottfried Benn, 1950)





Sonntag, 22. März 2009

ich habe eine grablegung ...


ich habe eine grablegung vollzogen
a dozen white lilies
die blume einzig für die reinen und die toten
und doch hilflos gegen das
sprießende krokusmeer in lilablau und die
paarungswilligen schreie des hähers über meinem kopf

leben setzt sich fort! gegen alle gräber dieser welt und wer
könnte es aufhalten??
nur die von müller erhoffte maschienenhaut wäre zu wünschen
und die strahlende uhr in meiner brust.

Donnerstag, 26. Februar 2009

imitatio sapiens oder: monkey business II





ach, wie anders und gefestigt muss das verhältnis unserer vorfahren zu unseren vor-vorfahren und zu uns selbst doch gewesen sein...

als kontrast zu diesem renaissance-stich hier noch einmal müllers gedicht:



STERBENDER MANN MIT SPIEGEL

Puschkin sterbend
An seiner Duellwunde
Ließ sich einen Spiegel bringen
Und eine Schüssel mit Hirsebrei
WIE EIN AFFE sagte er
Löffelnd in den Spiegel

Nach menschlichem Ermessen werden wir
Einander nicht wiedersehen Wir brauchen uns
Nichts mehr vorzumachen Es kommt Wahrscheinlich
Nichts Neues mehr sondern es kommt Wahrscheinlich
Nichts Was immer das sein mag
Auch der Sprung in den Spiegel brächte uns
Einander nicht mehr näher Glas klirrt
Wie Frauen schrein

2.10.1992

(Heiner Müller)

Sonntag, 22. Februar 2009

monkey business





hab mal wieder n schönen tom waits song zugeschickt bekommen, den ich mit euch teilen will. sunday-blues-untermalung an einem sonntag, der all den letzten schnee niedergeregnet hat und nicht nur die kristalle unter schwerfälligen tropfen zerdrückt. die anstrengungen der form mit dem ausguß dahin, doch wer wollte sich beschweren - es soll bald wieder frühling werden, haben mir die vögel gezwittschert heut früh. in diesem sinne auf ein neues und

enjoy!