Sonntag, 5. Januar 2014
steineroller-rhetorik
"Dieser Staat hat mir nichts geschenkt und ich habe mir von ihm nichts schenken lassen als die Erfahrung des Scheiterns einer Utopie, die der Motor meines Schreibens war."
"Ich hatte kein Haus am See, nur meinen Schreibtisch, an dem das Geisterschiff der Revolution mit seiner toten Mannschaft und dem immer andern Kapitän am Mast, den immergleichen Nagel in der Stirn, machmal fern vorbeifuhr."
(heiner müller, die deutsche form der revolution...)
Sonntag, 17. April 2011
kalifornischer gruß...
Störung des Sinnzusammenhangs
Donnerstag, 26. Februar 2009
imitatio sapiens oder: monkey business II

ach, wie anders und gefestigt muss das verhältnis unserer vorfahren zu unseren vor-vorfahren und zu uns selbst doch gewesen sein...
als kontrast zu diesem renaissance-stich hier noch einmal müllers gedicht:
STERBENDER MANN MIT SPIEGEL
Puschkin sterbend
An seiner Duellwunde
Ließ sich einen Spiegel bringen
Und eine Schüssel mit Hirsebrei
WIE EIN AFFE sagte er
Löffelnd in den Spiegel
Nach menschlichem Ermessen werden wir
Einander nicht wiedersehen Wir brauchen uns
Nichts mehr vorzumachen Es kommt Wahrscheinlich
Nichts Neues mehr sondern es kommt Wahrscheinlich
Nichts Was immer das sein mag
Auch der Sprung in den Spiegel brächte uns
Einander nicht mehr näher Glas klirrt
Wie Frauen schrein
2.10.1992
(Heiner Müller)
Dienstag, 21. Oktober 2008
STERBENDER MANN MIT SPIEGEL
STERBENDER MANN MIT SPIEGEL
Puschkin sterbend
An seiner Duellwunde
Ließ sich einen Spiegel bringen
Und eine Schüssel mit Hirsebrei
WIE EIN AFFE sagte er
Löffelnd in den Spiegel
Nach menschlichem Ermessen werden wir
Einander nicht wiedersehen Wir brauchen uns
Nichts mehr vorzumachen Es kommt Wahrscheinlich
Nichts Neues mehr sondern es kommt Wahrscheinlich
Nichts Was immer das sein mag
Auch der Sprung in den Spiegel brächte uns
Einander nicht mehr näher Glas klirrt
Wie Frauen schrein
2.10.1992
(Heiner Müller)
Sonntag, 1. Juni 2008
Was übrig bleibt: eine Last von Scheitern
„Wir lebten etwas anderes, als wir waren, wir schrieben etwas anderes, als wir dachten, wir dachten etwas anderes, als wir erwarteten und was übrig bleibt, ist etwas anderes, als wir vorhatten.“ (Gottfried Benn)
„Ich habe weder Hoffnungen noch Sehnsüchte. Da ich weiß, was mein Leben bis heute war – so viele Male und in so vielem das Gegenteil dessen, was ich mir gewünscht hatte - , was kann ich da mutmaßen über mein morgiges Leben? Einzig daß es sein wird, was ich nicht vermute, was ich nicht will und was mir von außen zustößt, bisweilen selbst durch mein eigenes Zutun. [...] Ich war immer nur eine Spur, ein Trugbild meiner selbst. Meine Vergangenheit ist all das, was ich nicht zu sein vermochte.“ (Fernando Pessoa)
„VIELES ABER / WIE EINE LAST VON SCHEITERN IST / ZU BEHALTEN“ (Friedrich Hölderlin / Heiner Müller)
Was übrig bleibt: eine Last von Scheitern.
Montag, 19. Mai 2008
GESTERN HABE ICH ANGEFANGEN ...
GESTERN HABE ICH ANGEFANGEN
Dich zu töten mein Herz
Jetzt liebe ich
Deinen Leichnam
Wenn ich tot bin
Wird mein Staub nach dir schrein
(Heiner Müller)
ich bin schon lange damit beschäftigt, dich zu töten, aber es mag und mag nicht gelingen. das herz ist ein geräumiger friedhof, wie müller sagt, aber die verwesenden wandeln umher und spucken mir ins gesicht. wer lässt sich schon gern zu grabe tragen und gar ohne aufstand? meine toten wollen sich nicht ergeben und einen gewissen stolz darüber und auf sie selbst kann ich nicht verhehlen. leben ist kampf und warum sollte der tod eine ausnahme darstellen? der kampf mit den toten, den abwesenden, den in deinen gehirnwindungen nicht schnell genug zerfallenden und denen, die aus deinem blut nicht wegzudenken sind. du bist eine ansammlung aus gestern, die sich in deinen zellen manifestiert und dir die immer wiederkehrenden zirkel vorschreibt, jeweils aufs neue begangen in der illusionären hoffnung einer (er)lösung.