Samstag, 8. Oktober 2011
hey, brother, take another sip...
to "booze my heart quiet" as beckett put it
another american beer with its fruity, so disturbing taste
won't do the work
lost in a wasteland
what does matter?
IPA india pale ale ist was ich in mich hineinschütte
und ich bin wahrlich nicht stolz darauf
vielleicht ist stolz etwas, das man sich erst ab einem bestimmten
verkommenheits- oder verkrustungsgrad leisten kann
jeden tag, jedoch, verzehre ich mich danach und kippe nach...
möge die welt ein ort der eintracht und des friedens werden
der menschlichen verständigungs, des glaubens an das gute und gerechte
oder mögen die jungs hier einfach besseren alk machen...
Dienstag, 27. September 2011
Die Postmoderne ist tot ...
habe ich gelesen auf dem Flug. Ihr Untergang das Aufkommen des Internets. Dieses habe nämlich, so hieß es, die in der Kunst und in der Theorie abstrakt dargestellte / vorgestellte Situation materialisiert. Die eklektizistische Verfügbarkeit der verschiedensten Inhalte nun Realität, das Zusammenmixen dessen was, oder was nicht zusammen gehört allgegenwärtige Praxis und das Verschwinden jeden Glaubens an eine Substanz hinter den Bildern unser aller (täglich) Brot. Das Netz habe diese Kunst, diesen Ansatz, diesen Stoß obsolet gemacht, indem sie ihn verwirklichte. Die Postmoderne ist tot, denn wir leben sie alle – es lebe die Postmoderne!
Samstag, 10. September 2011
Sonntag, 17. Juli 2011
Dienstag, 17. Mai 2011
SB
Sonntag, 17. April 2011
kalifornischer gruß...
Störung des Sinnzusammenhangs
Der Dramatiker Heiner Müller gratulierte zum Jubiläum der Volksbühne aus dem fernen Kalifornien
Lieber Frank Castorf, Johann Kresnik, Matthias Lilienthal, liebes Ensemble,
stöhnend unter der Last meines Versprechens, zum 80jährigen Bestehen der Volksbühne etwas aufzuschreiben, sitze ich in der Villa Aurora, einer Bibliothek von 23 000 Bänden mit Blick auf den Pazifik, umgeben von einer Zivilisation aus übelriechenden Duftstoffen, fastfood, (meine erste Futterallergie habe ich fast hinter mir), mehr oder weniger intelligenten Computern und lächelnden Idioten, HAPPINESS IS DUTY/GLÜCK IST PFLICHT; oder, wie mein Freund Bernd Böhmel aus Dresden nach seiner ersten Westreise diesen Zustand beschrieben hat: von Arschgeigen umzingelt. Mit jedem neuen Text, den ich lese, Literatur oder Zeitung, wächst der Widerstand meiner Schreibhand, rechts oder links macht keinen Unterschied, und es ist ein deutscher Reflex, den ich der kalifornischen Sonne nicht anlasten kann, gegen die trüben Signale, die von meinen maroden Gehirnwindungen ausgehn. MUTTER ICH KANN NICHT MEHR SINGEN / DIE WÜNSCHE DES HERZENS QUALMEN WIE LUNTE (Majakowski).
Nur meine alte Schreibmaschine, die ohne Gefühl und Verstand wiedergibt, was ich ihr eingebe, rettet mich vor dem Verstummen.
Theater, wenn es lebt, ist eine alte Schreibmaschine, wenn es gut ist, mit löchrigem Farbband, in den Löchern wohnt das Publikum, und manchmal kreischt es, dann freut sich die Kritik. Die Geschichte vom Lehrling im Kolonialwarenladen in Hamburg, der in das Faß mit dem Sauerkraut spuckt, und der Ladenhüter haut ihm eine Ohrfeige: es ist nicht wegen dem Sauerkraut, aber: was soll das, die Ohrfeige gilt der Angst wie dem Terrorismus, der Störung des Sinnzusammenhangs.
Theater, denen es nicht mehr gelingt, die Frage „Was soll das“ zu provozieren, werden mit Recht geschlossen. Ich bin froh, daß es die/eure Volksbühne gibt, so wie sie ist und hoffentlich noch eine Weile bleiben wird, ÜBER DEN GEWITTERN UND AM VORABEND DES TODES. Eure historische Leistung ist die Befreiung aus der programmierten Sinnschleife, in der die Stimme erstickt. Nach dem Einlaß in die Suppenküche des Kapitals: spuckt weiter in die Suppe am Vorabend des Todes und über den Gewittern. Der Weg ist nicht zu Ende, wenn das Ziel explodiert.
Mit kalifornischem Gruß
Heiner Müller
1994
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