Dienstag, 4. August 2009

dichter und die frauenwelt II


antónio lobo antunes zum thema:

"Eine intelligente Frau zu vergessen kostet eine unabsehbare Anzahl dummer Frauen".

und wo ich gerade bei antunes bin, eine passage unabhängig(?) vom thema:

"Wenn ich mich frage, was ich aus meinem Leben gemacht habe, sollte ich eigentlich fragen, was ich aus dem Leben der anderen gemacht habe. Da ich nur Frieden finde, wenn ich mit mir selber im Krieg stehe, habe ich ihnen sicher weder Sicherheit noch Glück gebracht. Und es ist auch nicht einfach, die Frau eines Mannes oder Tochter eines Vaters zu sein, der Romansteinchen auf den Boden streut, um sich auf dem Weg zurück nicht zu verlaufen, wo mich diejenigen erwarten, die mich lieben, während ich in der Ferne immer kleiner werde, bis ich an einer Biegung des Weges verschwinde, immer weiter Bücher aus den Taschen werfe, die ich nicht wiederfinden werde."

(beides in: buch der chroniken)


Montag, 3. August 2009

dichter und die frauenwelt


zuerst kunert über heine bzw. dessen frau:

"Er [Beethoven] hätte ja auch eine bürgerliche Damen heiraten können, denn wer die Ehe benötigt, der heiratet auch die schlimmste und dümmste Schlampe; der heiratet, wie Heinrich Heine, eine Frau, die weder seine Gedichte lesen kann noch überhaupt in der Lage ist, sich vorzustellen, was ihr Henri da eigentlich am Schreibtisch treibt."

so viel gehässigkeit ist für kunert eigentlich untypisch, jedenfalls habe ich ihn in meiner bisherigen lektüre kaum derart erlebt - das scheint mir auf irgendwelche tieferen animositäten zu verweisen, ich weiß aber noch nicht welche...


der liebe heiner ist natürlich in dieser eichtung auch immer wieder für einen knüller gut und deswegen soll er hier auch gleich im anschluss zitiert werden:

zu seinem "frauengeschmack" von der wochenpost befragt, antwortet er, er habe immer "eine Sehnsucht nach der dummen Frau" gehabt. auf die irritierte zwischenfrage: warum? "Das ist einfach das Bedürfnis, sich von der eigenen Intelligenz zu erholen."

ein echter brüller, ne? ich weiß, dass ich das jetzt kommentieren sollte, und es wäre es wert, doch ich robbe mich erst langsam wieder ans schreiben heran. so lange müssen die schnipsel für sich selbst stehen und ich überleg mir derweil was zum thema...


Sonntag, 26. Juli 2009

der sommer hängt in der luft wie ein totes blatt ...


der sommer hängt in der luft wie ein totes blatt.

es überrascht mich jedes jahr wieder, dass er so zörgerlich und tröpfelnd herankommt – oft verbunden mit herrlichen vorausdeutungen seiner im ‚eigentlichen’ frühling – dann kurz aufblitzt, um noch bevor man wirklich beginnt, sich auf ihn zu freuen, wieder schon in niedergang und auflösung befangen zu sein.


ich werde nun nicht die gleichen herbst- und endsommer-gedichte benns präsentieren, die ich letztes jahr auflegte, aber die stimmung ist durchaus gleich, phantastisch in ihnen eingefangen und ein blick zurück kann sich jederzeit nur lohnen.


sie sind zu kurz! diese sommer voller jugendträume eines dreißigjährigen - oder die träume zu lang... aufbruch, ausbruch, hoffnung schon wieder begraben für ein weiteres halbes jahr und das wissen, dass auch der nächste und der nächste und der übernächste sommer zu kurz sein wird, bis eines tages das ganze jahr über herbst ist und man unmerklich damit anfängt, sich auschließlich auf die erhaltung der eigenen geistigen wie körperlichen ruine zu konzentrieren. der herbst als (aussichtsloser) graben- und stabilisierungskampf gegen die zeit (und sich selbst) hat schon begonnen und rinnt durch alle gedanken, hier sichtbar, dort mit schnörkeln und gerede verziert und verdeckt.


es locken die fernen gestade als fluchtpunkte eines heillosen und rücksichtslosen eskapismus, doch auch hier ist die ernüchterung vorprogrammiert, der selbstbetrug offensichtlich. ‚Wer das verlor, was du verlorst, kehrt niemals heim’ – oder ähnliches habe ich ein mal gelesen und als gegenmittel zu den trügerischen davonkommensantizipationen zum abschluss doch noch mal der ‚große’ benn, der schwerfällige buddha des deutschen nirwana aus der bozener str, berlin schöneberg:



Reisen


Meinen Sie Zürich zum Beispiel

sei eine tiefere Stadt,

wo man Wunder und Weihen

immer als Inhalt hat?


Meinen Sie, aus Habana,

weiß und hibiskusrot,

bräche ein ewiges Manna

für ihre Wüstennot?


Bahnhofstraßen und Rueen,

Boulevards, Lidos, Laan –

selbst auf den Fith Avenueen

fällt Sie die Leere an –


ach, vergeblich das Fahren!

Spät erst erfahren Sie sich:

bleiben und stille bewahren

das sich umgrenzende Ich.


(Gottfried Benn, 1950)





Freitag, 29. Mai 2009

Polly


POLLY GARTER (singing)

I loved a man whose name was Tom
He was strong as a bear und two yards long
I loved a man whose name was Dick
He was big as a barrel and three feet thick
And I loved a man whose name was Harry
Six feet tall and sweet as a cherry
But the one I loved best awake or asleep
Was little Willy Wee and he's six feet deep.

O Tom Dick and Harry were three fine men
And I'll never have such loving again
But little Willy Wee who took me on his knee
Little Willy Wee was the man for me.

Now men from every parish round
Run after me roll me on the ground
But whenever I love another man back
Johnnie from the Hill or Sailing Jack
I always think as they do what they please
Of Tom Dick and Harry who were tall as trees
And most I think when I'm by their side
O little Willy Wee who downed and died.

O Tom Dick and Harry were three fine men
And I'll never have such loving again
But little Willy Wee who took me on his knee
Little Willy Weazel is the man for me.


Now when farmer's boys on the first fair day
Come down from the hills to drink and be gay,
Before the sun sinks I'll lie there in their arms
For they're good bad boys from the lonely farms,
But I always think as we tumble into bed
Of little Willy Wee who is dead, dead, dead ...

(Dylan Thomas, Under Milk Wood)

Dienstag, 28. April 2009

the early bird...


weil der frühling so lustig ist, hier meinen lieblingscartoon:



Samstag, 28. März 2009

selbstkritik


We can build our dungeons in the air
And sit and cry the blues
We can stomp across this world
With nails hammered through our shoes
We can join that troubled chorus
Who criticise and accuse
It don't matter much
We got nothing much to lose
But this wonderful life

(nick cave, wonderful life)



und weil jetzt schon sonntag ist, der tag des herrn, gibts noch ein highlight der populären musikgeschichte obendrein:


oh, what a wonderful world !!





Montag, 23. März 2009

mit herzlichen grüßen ...


mit herzlichen grüßen von professor berbig:


Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
Ein Knabe fährt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum:
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rotgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenrot,
Er präsentiert und schultert --
Ich wollt, er schösse mich tot.


(harry heine)