Freitag, 9. Januar 2009

die weihnachtsfeiertage...


die weihnachtsfeiertage haben deutliche spuren hinterlassen. deswegen und mit einem selbstzufriedenen schmunzeln im geweiteten mundwinkel:





Mittwoch, 31. Dezember 2008

Omar Khayyam


meine pessoa-lektüre werde ich bis auf weiteres einstellen. es fehlen zwar noch einige wenige der knapp 530 seiten, doch es ist nicht mehr die rechte zeit. vielleicht kommt sie einmal wieder... schließen möchte ich dieses kapitel und gleichzeitig das jahr 2008 mit pessoas gedanken zu dem persischen weisen, mathematiker, astrologen und dichter, omar khayyam:

"Der Lebensüberdruß Khayyams ist nicht der Überdruß eines Menschen, der nicht recht weiß, was tun, da er in der Tat nichts tun kann oder zu tun versteht. Dies ist der Überdruß von Totgeborenen, die sich verständlicherweise Morphium und Kokain zuwenden. Der Überdruß des persischen Weisen ist tiefgründiger und edler. Es ist der Überdruß von jemandem, der klar dachte und sah, daß alles dunkel war; der alle Religionen und alle Philosophien überdachte und dann wie Salomon sprach: 'Und ich sah, daß alles Eitelkeit und Anfechtung des Geistes war...', oder mit den Worten eines anderen Herrschers, Kaiser Septimius Severus, als er der Macht und der Welt Lebewohl sagte: 'Omnia fui, nihil [expedit] ...' - 'Ich bin alles gewesen; nichts lohnt die Mühe.'

[...]

Die praktische Philosophie Khayyams beläuft sich mithin auf ein sanftes Epikureertum, in dem nur noch vage der Wunsch nach Vergnügen durchscheint. Es genügt ihm, Rosen zu betrachten und Wein zu trinken. Eine leichte Brise, ein Gespräch ohne Absicht noch Plan, ein Krug Wein, Blumen, darin und in nichts sonst gipfelt der höchste Wunsch des persischen Weisen. Die Liebe erregt und ermüdet, das Handeln verzettelt und geht fehl, niemand gelangt zum Wissen, und das Denken färbt alles trüb. Daher lassen wir besser ab vom Wünschen und Hoffen, vom müßigen Ehrgeiz, die Welt erklären, und dem törichten Vorhaben, sie verbessern oder regieren zu wollen. Alles ist nichts oder, wie es in der Griechischen Anthologie heißt: 'Alles rührt von der Unvernunft', dies sagt ein Grieche und somit ein rationaler Geist."

(Pessoa, Das Buch der Unruhe)

ganz in diesem sinne: auf ein neues!!

Montag, 29. Dezember 2008

Geld


lauschen wir zu diesem thema einmal den ausführungen dr. waldheims, der zu dem suchenden, leicht todessehnsüchtigen mihály bezüglich eines eventuell ehrenrührigen händels spricht:

"'Ich weiß nicht, worum es geht, aber ich bin überzeugt, daß du dich aus Blödheit zierst', sagte Waldheim mit großem Schwung. 'Du bist immer noch der brave Sohn deines in Ehren ergrauten Vaters, immer noch ein Spießbürger. Wenn einem jemand Geld geben will, muß man es annehmen, darin sind sich alle Autoritäten der Religionsgeschichte einig. Du aber hast noch immer nicht gelernt, daß das Geld ... daß es einfach nicht zählt. Es zählt dort nicht, wo die wesentlichen Dinge zählen. Geld braucht es immer, und wenn man sich nicht darum kümmert, gibt es auch immer welches. Wieviel und woher und wie lange, das ist völlig belanglos. So wie alles belanglos ist, was mit dem Geld zusammenhängt. Für Geld bekommt man nichts, das wichtig ist. Was man für Geld bekommt, ist vielleicht lebensnotwendig, aber nicht wichtig.
Die Dinge, für die es sich wirklich zu leben lohnt, kosten nie etwas. Es kostet dich keinen Kreuzer, daß dein Geist das großartig Vielgestaltige, die Wissenschaft, aufzunehmen vermag. Es kostet dich auch keinen Kreuzer, daß du in Italien bist, daß über dir der italienische Himmel ist, daß du durch italienische Straßen gehen und im Schatten italienischer Bäume sitzen darfst und daß abends die Sonne italienisch untergeht. Es kostet dich keinen Kreuzer, wenn du einer Frau gefällst und sie mit dir ins Bett geht. Es kostet dich keinen Kreuzer, hin und wieder glücklich zu sein. Geld kostet nur das, was darum herum ist, um das Glück herum, all die dummen, langweiligen Requisiten. Es kostet kein Geld, in Italien zu sein, aber es kostet etwas, hierherzureisen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Es kostet kein Geld, daß die Frau deine Geliebte ist, sondern nur, daß sie zuweilen essen und trinken und sich anziehen muß, damit sie sich wieder ausziehen kann. Doch die Spießbürger leben schon seit eh und je davon, daß sie sich und die anderen mit Dingen eindecken, die Geld kosten, und so haben sie die Dinge vergessen, die umsonst sind. Sie halten nur das für wesentlich, was viel kostet. Der reinste Wahn. Nein, Mihály, das Geld darf man nicht zur Kenntnis nehmen. Man muß es akzeptieren wie die Luft, die man atmet. Von der will man ja auch nicht wissen, woher sie kommt, solange sie nicht stinkt."
(Antal Szerb, Reise im Mondlicht)

tja, ob dem wohl so ist??

der dem weiblichen geschlecht äußerst zugetane und für sein fach mit inbrunst entflammte religionswissenschaftler waldheim wird von mihály an anderer stelle des romans tiefergehnd charakterisiert. vielleicht ist diese darstellung auch für die geld-frage nicht unerheblich:

"Ein Mensch [Waldheim], dem das Unmögliche gelungen ist, dachte er [Mihály] neidisch, während sich Waldheim mit Rohschinken vollstopfte und Erklärungen gab. Ein Mensch, dem es gelungen ist, sich in der ihm entsprechenden Lebensphase zu fixieren. Denn ganz sicher hat jeder Mensch eine nur ihm entsprechende Lebensphase. Es gibt solche, die ihr Leben lang Kinder bleiben, und solche, die ihr ganzes Leben linkisch, unbeholfen, fehl am Platze sind, bis sie sich als schöne, weise Greisinnen und Greise wiederfinden, endlich zu Hause in ihrem Moment. Bei Waldheim war es das Wunderbare, daß er in der Seele ein Student bleiben konnte, ohne auf die Welt, den Erfolg, das Geistesleben verzichten zu müssen. Er hatte eine Bahn eingeschlagen, auf der seelische Rückständigkeit nicht auffällt, ja sogar förderlich ist, und von der Wirklichkeit nahm er nur so viel zur Kenntnis, wie es mit seiner Fixierung vereinbar war. Das ließ sich sehen! Wenn es Mihály auch so hätte einrichten können..."


Mittwoch, 10. Dezember 2008

Und?

Und?

Deine gedanken? auf dem nassschwarzen asphalt

Vor shakespeare’s pub??

Seneca soll einen grashalm gesehen haben, fern

Und die weiten einer heimatlandschaft bei

Cordoba.


Alles altersschwache romantik!

Du wirst die schläuche wahrgenommen haben

Aufregung und den eintritt der kanüle als sie die elektroden anheizen

Gnadenlos registriert, wie immer, dass sie deinen schweren und schwülstigen körper

Aufgebockt hatten, um ihn auf die trage zu hiefen

Schnaufend und stickend die professionellen helfer nach 18 stunden

Tag

Scheinwerfer und blaulicht gebrochen in dreckigen regenpfützen und ein film

Aus blut und speichel über deinem gesicht, deinen dicken braunen augen.

Das lidflickern und die medikamente haben dich nicht abgehalten

Unterbewusst auch hier noch zu beobachten, wie

Sich das leben windet. möglicherweise

Nur ganz zuletzt ein lächeln nach innen und gegen die welt:

Ihr könnt mich mal, ihr wichser,

Ich bin

Raus!

Donnerstag, 27. November 2008

bi


bi
bittersweet
paula banholzer
es heißt, du wärst die einzige frau, die er je geliebt habe
und die weigel machte die küche


im traum hab ich dich gesehen
eine pink-weiße mischung aus dem (unerträglichen) pfefferminzbruch meiner mutter
klebrige, übersüße anhänglichkeit auf den schäbigen rummelplätzen meiner jugend
versehen mit dem ausdruckvermögen einer dreijährigen
in dem mir unzugänglichen bereich weiblicher sexualität jedoch
jenseits
der greifbaren kategorie
immer der sand
zwischen meinen fingern


weitermachen...


zum wiedereinstieg das
vorwort aus brinkmanns gedichtband westwärst 1&2:

Vorbemerkung

Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock’n’Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter, die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht macht weiter, der Mond geht auf, die Sonne geht auf, die Augen gehen auf, Türen gehen auf, der Mund geht auf, man spricht, man macht Zeichen, Zeichen an den Häuserwänden, Zeichen auf der Straße, Zeichen in den Maschinen, die bewegt werden, Bewegungen in den Zimmern, durch eine Wohnung, wenn niemand außer einem selbst da ist, Wind weht altes Zeitungspapier über einen leeren grauen Parkplatz, wilde Gebüsche und Gras wachsen in den liegengelassenen Trümmergrundstücken, mitten in der Innenstadt, ein Bauzaun ist blau gestrichen, an den blauen Bauzaun ist ein Schild genagelt, Plakate ankleben Verboten, die Plakate, Bauzäune und Verbote machen weiter, die Fahrstühle machen weiter, die Häuserwände machen weiter, die Innenstadt macht weiter, die Vorstädte machen weiter. Einmal sah ich eine Reklame für elektrische Schreibmaschinen in einem Schaufenster, worin Büromöbel ausgestellt waren. Ein Comicbildchen zeigte, wie jemand Zeichen in eine Steinplatte schlug, und eine Fotografie zeigte eine Schreibmaschine. Ich war verblüfft. Wo ist der Unterschied, fragte ich mich. Sie wollten mir doch damit einen Unterschied klar machen. Hier sitze ich, an der Schreibmaschine, und schlage Wörter auf das Papier, allein, in einem kleinen engen Mittelzimmer einer Altbauwohnung, in der Stadt. Es ist Samstagnachmittag, es ist Sonntag, es ist Montag, es ist Dienstagmorgen, es ist Mittwoch, es ist Donnerstag, es ist Freitagnachmittag, es ist Samstag und Sonntag. Es ist ein erstaunliches Gefühl, meine ich, das den Verstand erstaunt. Nun erinnere ich mich, an mich selbst, und da gehe ich eine lange Strecke zurück, gehe über warme Asphaltschichten von Seitenstraßen, die Turnschuhe kleben daran, aus einer Musikbox, ganz weit zurück, kommt Rock’n’Roll-Musik und läßt mich die lateinische Übersetzung vergessen. Ich haue ab, trete über verharschte Wiesen im Winter, außerhalb des Ortes, schleppe die Schultasche mit den Büchern mit mir herum, bis Mittag ist und ich zum Mittagessen kann, hellweiße kalte Vormittage in Norddeutschland mit den Wetterberichten nach den Nachrichten. Zwischen den weißen, frischen, zusammengelegten Bettlaken im Schlafzimmerschrank lag immer eine kleine matt-schwarz glänzende Pistole, bequem für eine Handtasche. Und wie war das Wetter, als ich geboren wurde? Meine Eltern waren jung, sie sprachen deutsch. Ich mußte das erst lernen, man wächst immer in eine schon gesprochene Welt rein. Das Lernen macht weiter. Deutsch macht weiter. Wiesen im Winter und warme Asphaltstraßen machen weiter, die Straßenecke macht weiter, die Wetterberichte machen weiter, die Bücher machen weiter, Pistolen, Schultaschen, Turnschuhe machen weiter. Die Nachrichtensprecher machen weiter. Der Sonntag macht weiter. Der Montag macht weiter. Der Postbote macht weiter. Der Dill macht weiter, und die Blätter machen weiter, die Zwiebeln, die Kuh, die Steine, der Film. Der Schallplattenspieler, repariert, macht weiter. Auch die Interpretationen machen weiter. Es sind die Bücher. Ich muß bei diesem Satz sehr lachen. Das Lachen ist angenehm. Als ich in einem gräßlich eingerichteten Apartment in Austin morgens gegen fünf Uhr auf dem vollgepackten Koffer kniete und die Kofferschlösser zuzukriegen versuchte, hörte ich aus dem Radio ein Lied, das mir sofort, nachdem es angefangen hatte, gefiel. Ich stelle das Lied, so wie ich es nach der Schallplatte aufgeschrieben habe, als erstes Gedicht hierher, denn mir gefällt es noch immer, und ich denke, daß das Lied gut als Zitat für meine Gedichte paßt. Der Beifall macht weiter, die Wörter machen weiter, die Knöpfe machen weiter, der Stoff macht weiter, das Marihuana macht weiter, was hat die Grammatik mit Marihuana zu tun? Das Marihuana war sanft und würzig. Die teueren Vororte sind durch Stille gesichert. Manchmal gibt es dort keine Fußgängerwege, und nur manchmal sieht man, beim Hindurchgehen, ein erhelltes Fenster, ganz oben, unterm Dach. Davor werden Bäume bewegt. Im Moment habe ich keinen Hunger, obwohl ich weiß, daß der Hunger weitermacht, der Moment weitermacht, die Erde weitermacht, die sozialen Lagen machen weiter, und der Hund, der in der Nachbarwohnung eingesperrt ist und schon den ganzen Morgen bellt, macht weiter. „Die Erklärung ist sinnlos. Der Finger ist sprachlos", wie R. D. Laing sagt. Ich blättere durch Bücher. Ich fliege etwas und sehe: „So wie der Nahrungstrieb sich subjektiv als Hunger und objektiv als «Tendenz» zur Erhaltung des Individuums präsentiert, so der Sexualtrieb subjektiv als Bedürfnis nach Sexualbefriedigung und objektiv als «Tendenz» zur Erhaltung der Art. Diese «objektiven Tendenzen» sind aber keine konkreten Gegebenheiten, sondern bloß Annahmen. Es gibt in Wirklichkeit ebensowenig eine Tendenz zur Erhaltung der Art wie eine solche zur Erhaltung des Individuums.“ Erstaunlicher Wilhelm Reich, schöne Sexualität, die weitermacht, und tatsächlich, Utopia ist eine Kiste. Das Geld macht weiter, und die Zusammenbrüche, wie die Songs weitermachen. Ich hätte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs. Leider kann ich nicht Gitarre spielen, ich kann nur Schreibmaschine schreiben, dazu nur stotternd, mit zwei Fingern. Vielleicht ist mir aber manchmal gelungen, die Gedichte einfach genug zu machen, wie Songs, wie eine Tür aufzumachen, aus der Sprache und den Festlegungen raus. Mag sein, daß deutsch bald eine tote Sprache ist. Man kann sie so schlecht singen. Man muß in dieser Sprache meistens immerzu denken, und an einer Stelle hörte ich, wie jemand fluchte: Ihr Deutschen mit Euren Todeswünschen, wenn Ihr sprecht! Bezogen auf die Erfindung der Psychoanalyse stimmt das. Was für Entzückungen eine Straße entlangzugehen, während die Sonne scheint. Die Gedichte, die ich hier zusammengestellt habe, sind zwischen 1970 und 1974 geschrieben worden, zu den verschiedensten Anlässen, an den verschiedenen Orten, ob sie gut sind? fragst Du. Es sind Gedichte. Auch alle Fragen machen weiter, wie alle Antworten weitermachen. Der Raum macht weiter. Ich mache die Augen auf und sehe auf ein weißes Stück Papier.

R. D. B. 11./12. Juli 1974, Köln

Mittwoch, 5. November 2008

I wish I could sing no regrets...


es ist zeit für melodischere töne. habe ich hier eigentlich schon mal mein faible für frau winehouse kund getan? tja, wenn nicht, dann ist es wohl jetzt soweit...

enjoy!