Dienstag, 5. Juli 2016
Berlin - Karthago - Pompeji
Benn an seinen schweizer Verleger am 4.9.1949:
"Die Lage in Berlin ist schlecht. Das Einzige, was es bietet, sind Spannungen, täglich, stündlich, geistig und materiell. Ein Netz von Funken und Stahlen (sic!) fluoresziert ohne Unterbrechung über seinen Dächern. Ich glaube, daß weder Paris noch London so die Zeichen der Gefahren trägt, die uns alle bedrohn. Hier ist Karthago vor der letzten Zerstörung und Pompeji, ehe der Vulkan began. Aber auch ein schöner Spätsommer ist augenblicklich mit dem schon fahlen Licht und dem Zögern der Rosen und der Stunden. Also etwas für die morbiden Empfangsapparate, wie es das von Herrn Rychner geschilderte 'Lyrische Ich' besitzt."
beide zitate ein unerwarteter fund in bern: (fast) der ganze benn in zwei passagen...
Freitag, 20. Mai 2016
Ah, mas que saudade eu tenho da Bahia...
Donnerstag, 14. April 2016
Freitag, 5. Februar 2016
Das Heimweh nach den verrauchten, versoffenen Kreuzberger Kneipen...
Samstag, 20. Juni 2015
und wenn das altern...
"Und wenn das Altern, das den Halbheiten ein Ende setzt, die in jugendlichen Bohèmezeiten eingesteckten, selbstgewählten und vorläufigen Ablehnungen in ein unwiderrufliches Scheitern verwandelt, bescheiden Schriftsteller niedgriger Herkunft sich leichter mit 'industrieller Literaturproduktion', die aus dem Schreiben eine Tätigkeit macht wie andere auch; sofern die verbittertsten unter ihnen nicht ganz ins Gegenteil verfallen und sich den niedrigsten Verrichtungen politischer Polemik hergeben."
(Pierre Bourdieu, Die Regeln der Kunst)
ps: bei bourdieu stehen 'schriftsteller' nur stellvertretend für die gesamte bagage des intellektuellen feldes. künstler und wissenschaftler sind ausdrücklich mit eingeschlossen...
Sonntag, 8. Februar 2015
die 'mühen der ebene'
MÜLLER [...] Das, worum es bei der Baader-Meinhof-Problematik geht, ist insofern auch für uns [in der DDR, AEM] relevant, als es natürlich sehr viel schwieriger ist, wenn eine Revolution sich nur noch im Alltag vollzieht. Dann wird es, gerade für Intellektuelle, sehr schwer, nicht depressiv zu werden. Ein Intellektueller braucht doch immer ein bißchen Theater, ein bißchen Glanz. Und solange das so ist, geht es. Wenn es dann darum geht, Arbeitsschutzbestimmungen durchzusetzen, was für die meisten Leute viel wichtiger ist als das, was die Intellektuellen so wollen, da wird es dann zu einem Problem für die Intellektuellen, noch bei der Stange zu bleiben.
Sonntag, 2. März 2014
the not quite beheaded...
"Every faith practices some form of terror... no human being is more dangerous than those who suffered for a belief; the great persecutors are recruited among the matyrs not quite beheaded."
(emil cioran, a short history of decay)
„Ein Missvergnügter
ist Jemand, der sich mit der Welt entzweit hat und dies am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Fortuna hat ihm etwas vorenthalten, und nun ist er darüber verstimmt und wird ihr zum Trotze unglücklich sein. Die Wurzel seiner Krankheit ist ein sich selbst schmeichelnder Stolz und eine zur Gewohnheit gewordene Empfindlichkeit, wenn etwas seinen Launen zuwider läuft; und der Grund dafür ist gewöhnlich einer von diesen dreien: ein strenger Vater, ein zänkisches Weib oder sein gescheiterter Ehrgeiz. Er hat das Wesen der Welt nicht eher in Rechnung gezogen, als bis er es zu spüren bekam; und nun fallen alle Streiche um so schwerer auf ihn, weil sie nicht seiner Erwartung entsprechen. Er hat nunmehr allem außer seinem Stolze entsagt und ist doch noch voller Dünkel in der eitlen Zurschaustellung seiner Melancholie. Seine Haltung ist von einer einstudierten Achtlosigkeit; er hält die Arme verschränkt und läßt den Kopf ebenso nachlässig hängen wie ihm der Mantel am Leib hängt; und einem Hutband ist er ebenso feindlich gesonnen wie dem Glücke. Er klagt über die Zeitläufe und die Aufsteiger und seufzt über die Vernachlässigung von Männern von Talent, das heißt solchen, wie er selber einer ist. Sein Leben lang befleißigt er sich der Satire, und beständig geißelt er die Eitelkeit des Zeitalters. Es bereitet ihm Unbehagen, wenn er Menschen fröhlich sieht, und er fragt sich, welchen Grund zu lachen sie finden können. Er verzieht seine Lippen niemals zu mehr als zu einem Lächeln, und bevor er die Vierzig erreicht, hat ihm das Stirnrunzeln Falten eingetragen. Schließlich fällt er in jene tödliche Melancholie, die ihn zu einem erbitterten Menschenfeinde macht, und das ist des Unfriedens liebster Gefährte. Er ist der Funke, der das Gemeinwohl in Brand steckt; und betätigt sich selbst als Blasebalg, um das Feuer noch recht anzufachen; und wenn irgend etwas aus ihm wird, dann gewöhnlich eines von diesen dreien: Klosterbruder, Verschwörer oder Tollhäusler.“
(John Earle, 1628)